Krankheitsbeschreibungen

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Die Mukopolysaccharidosen gehören zur Gruppe der lysosomalen Speichererkrankungen. Das Krankheitsbild wird durch den Defekt eines lysosomalen Enzyms bestimmt, das den schrittweisen Abbau komplexer Kohlenhydrate katalysiert. Bei den Mukopolysaccharidosen handelt es sich um eine Störung im Abbau der Glykosaminoglykane, die im klinischen Sprachgebrauch als Mukopolysaccharide bezeichnet werden. Das sind lange, aus sulfatierten und acetylierten Aminozuckern bestehende Polysaccharidketten.

Im Gewebe sind die Mukopolysaccharide als Proteoglykane an Proteine gebunden und bilden die Grundsubstanz der extrazellulären Matrix. Sie unterliegen einem ständigen Stoffumsatz, d. h. neben der Neusynthese findet der enzymatisch gesteuerte Abbauprozess statt. Dieser vollzieht sich mittels saurer Hydrolasen in den Lysosomen.

Durch einen genetischen Defekt kommt es zum Aktivitätsverlust, Mangel oder Fehlen der lysosomalen sauren Hydrolasen. Die nicht abbaubaren Substrate akkumulieren in den Lysosomen, wodurch es anfangs zu Funktionsstörungen und letztendlich zum Untergang der Zelle kommt.

Die klinische Manifestation der verschiedenen Gendefekte hängt zum einen von der Art der gespeicherten Substrate ab, denn die Substanzen zeigen ein unterschiedlich häufiges Vorkommen in bestimmten Geweben. Zum anderen sind manche Enzyme aber auch für den Abbau mehrerer Substrate verantwortlich. Zusätzlich richtet sich die klinische Manifestation nach der noch vorhandenen Restaktivität des Enzyms. Eine sichere Korrelation zwischen der vorhandenen Restaktivität und dem Phänotyp konnte bislang nicht festgestellt werden.

Grundsätzlich kann jedes Organsystem befallen sein. Fast allen Mukopolysaccharidosen gemeinsam sind in unterschiedlicher Ausprägung vorkommende progrediente Skelettdeformitäten, eine typische vergröberte Fazies, Kontrakturen und eine Hepatosplenomegalie. Abhängig vom Typ findet sich eine fortschreitende psychomotorische Retardierung.

Beispielsweise ist der M. Morquio, MPS Typ IV, in seinem klinischen Bild überwiegend charakterisiert durch seine Veränderungen am Skelettsystem. Hier ist der Abbau von Keratan- und Chondroitinsulfat gestört, die Bestandteile von Knorpel und Bindegewebe darstellen. Hingegen wird bei M. Sanfilippo, MPS Typ III, Heparansulfat, ein wichtiger Bestandteil der Nervenzellen, gespeichert. Daraus resultieren Symptome des Zentralen Nervensystems, die Patienten sind psychomotorisch retardiert.

Die Glykosaminoglykane, deren Degradation durch einen Enzymdefekt gestört ist, werden vermehrt im Urin ausgeschieden. Diese Tatsache wird für die Screening-Untersuchung mittels Berry-Test genutzt. Die endgültige Diagnose allerdings wird durch Nachweis des Enzymdefekts im Serum, den Leukozyten oder den Fibroblasten gestellt.

Nach klinischen und biochemischen Merkmalen lassen sich sechs Formen der Mukopolysaccharidosen und ihrer Subtypen unterscheiden, die in der hier hinterlegten Tabelle aufgeführt sind.

In einer historischen Klassifikation wurde der M. Scheie als Mukopolysaccharidose Typ V bezeichnet. Später stellte man fest, dass die Erkrankung auf dem gleichen Enzymdefekt beruht wie der M. Hurler, so dass sie dem Typ I zugeordnet wurde. Somit entstand eine Lücke in der Aufzählung der verschiedenen Typen.

Die nosologische Klassifizierung ist nicht eindeutig. Ein Typ A oder B kann unterschiedliche Bilder eines Enzymdefekts darstellen, wie das früher bei der leichten und schweren Form des M. Hunter der Fall war. Die Subtypen können außerdem noch unterschiedliche biochemische Defekte eines klinischen Defekts kennzeichnen, beispielsweise M. Morquio Typ A und Typ B.