Narkoserelevante Besonderheiten

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Intravenöser Zugang
Die Speicherung und Ablagerung von Eiweiß- und Zuckerverbindungen bei ML- und MPS-Kindern führt häufig auch zu Veränderungen der Venen und der Haut. Die Punktion einer Vene und somit das Anlegen eines venösen Zugangs für die Narkoseeinleitung kann hierdurch erschwert sein.
Spezielle Pflaster zur Hautbetäubung machen diese Maßnahme für die Kinder erträglicher.

Schwierige Intubation
Die veränderte Anatomie im Kopf-Hals-Bereich und im Bereich der Atemwege gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Narkose bei ML- und MPS-Patienten. Diese Veränderungen können dazu führen, dass eine Maskenbeatmung, insbesondere bei verstopfter Nase, als auch eine konventionelle Intubation (Einführen des Beatmungsschlauches in die Luftröhre) erschwert sind. Liegt eine Instabilität oder Verengung des Rückenmarkkanals im Bereich der Halswirbelsäule vor, so muss die Intubation mit äußerster Vorsicht erfolgen.
Um dem Kind hierbei ein Höchstmaß an Sicherheit zu bieten, sollte die Möglichkeit zu einer sogenannten fiberoptischen Intubation unbedingt gegeben sein. Bei der fiberoptischen Intubation wird der Beatmungsschlauch mittels eines dünnen Endoskopes unter Sichtkontrolle in die Luftröhre vorgeschoben. Dieses Verfahren ermöglicht es, auch Patienten mit einer veränderten Anatomie sicher zu intubieren.
Die Kinder bekommen dieses Verfahren nicht mit, da sie hierfür in einen Dämmerschlaf versetzt werden.
Eine Alternative bietet die Intubation mit einem Videolaryngoskop, welches ebenfalls bei schwierigen Intubationsverhältnissen angewendet wird, aber nicht in jedem Krankenhaus zur Verfügung steht. Der Anästhesist kann hier mit Hilfe einer Optik den Eingang in die Luftröhre darstellen. Auf eine Fiberoptik kann jedoch auch beim Vorhandensein eines Videolaryngoskopes nicht verzichtet werden.
Falls Intubationsschwierigkeiten aus früheren Narkosen bekannt sind oder Sie sogar einen Anästhesieausweis für Ihr Kind besitzen, sollten Sie dies dem Narkosearzt im Rahmen der Narkoseaufklärung mitteilen. Bei sehr schwierigen Atemwegsverhältnissen kann – insbesondere bei großen Operationen – vor der eigentlichen Operation die chirurgische Anlage eines Tracheostomas (Atemwegszugang am Hals) notwendig sein.

Schlaf-Apnoe-Syndrom
Das Schlaf-Apnoe-Syndrom (SAS) ist dadurch gekennzeichnet, dass während des Schlafes Atempausen auftreten, die zu einer vorübergehenden Unterversorgung mit Sauerstoff führen. Ursache ist meist eine Verlegung der Atemwege durch Zunge und Weichteile des Rachens. Die Atempausen können, insbesondere in der ersten Nacht nach einer Narkose, verstärkt auftreten, da Narkosemedikamente die Atmung zusätzlich beeinträchtigen können. Kinder, die unter einem SAS leiden, sollten daher postoperativ mindestens eine Nacht in einem Überwachungszimmer oder auf der Intensivstation überwacht werden.
 

Autoren:
PD Dr. med. W. Alexander Osthaus,
Dr. C. Liebeneiner
(Medizinische Hochschule Hannover)

Letztes Update: 2010


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