Therapien

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Körperliche Probleme und Therapiemöglichkeiten


A) Ohr-/Nasen-/Rachen-/Atem-/Lungenprobleme

Es fällt auf, dass viele Kinder mit
Mukopolysaccharidose nicht so gut hören. Die häufigste Ursache ist die so genannte Schallleitungsschwerhörigkeit. Sie entsteht unter anderem durch häufige Mittelohrentzündungen.

Die richtige Funktion der Ohren hängt vom Druck hinter dem Trommelfell – also im Mittelohr – ab. Dieser Druck soll genau der gleiche sein wie im Außenohr und in der Atmosphäre. Der Körper gewährleistet das, indem er bei Bedarf den Druck über die Eustachische Röhre reguliert.

Diese Eustachische Röhre ist ein Gang, der das Mittelohr und die Rachenhinterwand miteinander verbindet. Leider ist bei Kindern mit Mukopolysaccharidosen die Eustachische Röhre (durch die vielen Erkältungskrankheiten) häufig blockiert. Es entsteht ein Unterdruck im Mittelohr. Durch diesen Unterdruck wird das Trommelfell eingezogen. Es bildet sich eine Flüssigkeit im Mittelohr, die immer mehr eindickt und die Ausbreitung des Schalls verhindert. Oft spricht man dann von »eitrigen« Ohren. Hier verschreibt der Arzt oft antibiotische Ohrentropfen. Man muß bei sehr häufigen Mittelohrentzündungen Paukenröhrchen einlegen lassen. Dabei macht der Arzt in leichter Allgemeinnarkose einen kleinen Schnitt in das Trommelfell. So kann die eingedickte Flüssigkeit aus dem Mittelohr herausgesogen werden: Der Schallweg wird wieder frei. Dann legen die Ärzte gleich ein kleines so genanntes Paukenröhrchen in das kleine Loch im Trommelfell, um es längerfristig offenzuhalten. Leider fallen die Röhrchenmanchmal wieder heraus. Es gibt aber
spezielle Verweilröhrchen, zum Beispiel die T-Röhrchen, die länger im Ohr bleiben sollen.

Bei manchen Kindern ist es auch nötig, die Rachen- oder Gaumenmandeln entfernen zu lassen, die zur Blockierung der Eustachischen Röhre führen können.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind eine schmerzhafte Ohrenentzündung hat, sollten Sie unbedingt den Kinder- oder HNO-Arzt aufsuchen, um die Mittelohrentzündung auch medikamentös behandeln zu lassen.

Eine weitere Ursache der Schwerhörigkeit ist die Innenohrschwerhörigkeit. Im Innenohr liegen die Sinneszellen des Ohres, die Haarzellen. Diese Haarzellen nehmen den fortgeleiteten Schallreiz auf und leiten ihn weiter ins Gehirn.Wenn auch diese Zellen von der Speicherung betroffen sind, kommt es zur Innenohrschwerhörigkeit.

Der Kinderarzt kann zusammen mit einem HNO-Arzt für Kinder (Pädaudiologe) entscheiden, ob bei Ihrem Kind ein Hörgerät sinnvoll sein könnte. (Es gibt spezielle Hörhilfen für Kinder.) Gerade die verzögerte Sprachentwicklung ist nicht immer nur durch die allgemeine Entwicklungsverzögerung bedingt. Häufig muss die Schwerhörigkeit mit verantwortlich gemacht werden.Wenn Ihr Kind ein Mobiltelefon benutzt, dann achten Sie beim Kauf einer Hörhilfe darauf, dass dies nur mit ganz speziellen Geräten möglich ist.

Es fällt auf, dass Kinder mit MPS Typ II häufig eine laufende Nase haben. Dicker, gelblicher Schleim läuft auch ohne akute Infektion aus der Nase. Durch die Verdickung der Schleimhäute im Rachen kommt es nämlich zu einer andauernden Ansammlung von Schleim und so auch zu verstopften Luftwegen. Auch die Rachenmandeln können vergrößert sein und die Atemwege einengen. Die Luftröhre ist durch Speichermaterial verengt und versteift. So kommt es dazu, dass die Kinder sehr geräuschvoll atmen und nachts häufig schnarchen.

Ein spezielles Problem liegt darin, dass die Kinder im Schlaf Atempausen haben können.

Die Eltern bemerken, wie ihr Kind nachts plötzlich aufhört zu atmen und erst nach einiger Zeit wieder anfängt geräuschvoll zu schnaufen. Die Kinder schlafen oft unruhig und wälzen sich häufig im Bett.

Das Problem dieser Schlafapnoen (Atemstillstände im Schlaf) ist vor allem, dass die Kinder tagsüber schläfrig und unkonzentriert wirken, da sie sich nachts nicht genug erholen. Außerdem weiß man nicht, inwieweit diese Atempausen und der daraus entstehende Sauerstoffmangel zur geistigen Symptomatik des Krankheitsbildes beitragen. Zusätzlich kann der nächtliche O²-Mangel die bei den meisten Patienten mit Mukopolysaccharidose bekannte Herzerkrankung verschlechtern. Deshalb ist es wichtig zu erkennen, ob Ihr Kind unter diesen Atempausen leidet.

Zur Diagnostik wird eine Schlaflabor-Untersuchung durchgeführt. Die Kinder verbringen eine Nacht in einem speziellen Kinder-Schlaflabor. Dort werden sie an verschiedensten Stellen verkabelt und ihr Schlafrhythmus die ganze Nacht über beobachtet und aufgezeichnet. Am nächsten Tag kann der Arzt feststellen, ob es Atempausen gab, wie häufig sie waren und wie schwer das Kind davon betroffen ist.

Manchmal reicht es dann schon, die Mandeln und Polypen entfernen zu lassen. So wird die Verengung der Atemwege verringert und das Atmen fällt den Kindern leichter. Ab und zu werden aber auch Schlafmasken, so genannte CPAP-Masken, verordnet. Diese Masken werden nachts getragen und beatmen mit einem ganz bestimmten Druck, um die Luftwege im Schlaf offen zu halten. So wird verhindert, dass der Sauerstoffgehalt des Bluts nachts absinkt. Kinder haben anfangs oft Schwierigkeiten, die Masken zu tolerieren. Viele gewöhnen sich aber nach einiger Zeit daran, da sie selbst merken, dass ihnen das Tragen der Masken hilft.

Der Brustkorb von Kindern mit M. Hunter ist anders aufgebaut als bei gesunden: Die Rippen sind relativ gerade, die Beweglichkeit des Brustkorbs ist eingeschränkt. Das führt dazu, dass sich die Lungen beim Einatmen nicht vollständig mit Luft füllen können. Auch fällt den Kindern das Husten viel schwerer: Sekret, das sich bei Kindern mit Mukopolysaccharidose in den Lungen vermehrt anreichert, kann nur schlecht abgehustet werden.
Dazu kommt, dass das Lungengewebe selbst durch die Ablagerung der Mukopolysaccharide immer steifer wird. Das bedeutet ein erhöhtes Risiko für Infektionen der Bronchien und Lungen.

Akute bakterielle Infektionen müssen meistens mit Antibiotika behandelt werden. Leider kommt es als Nebenwirkung häufig zu Pilzinfektionen im Mund. Es ist sehr wichtig, darauf zu achten und solche Pilzinfektionen zu therapieren, da sie sehr unangenehm und schmerzhaft sein können.

Zur Vorbeugung von häufigen Atemwegsinfekten werden den Kindern oft die Mandeln und Polypen entfernt. Ihr Kinderarzt kann Ihnen sagen, ob und wann das bei Ihrem Kind sinnvoll sein könnte. Viele Ärzte empfehlen auch schleimlösende Medikamente. Sie machen den Schleim in den Atemwegen dünnflüssiger, so dass er leichter abgehustet werden kann. Gerade in denWintermonaten kann häufiges Inhalieren mit physiologischer Kochsalzlösung sinnvoll sein. Eine weitere gute Hilfestellung kann auch die Krankengymnastik leisten. Sie können verschiedene Arten von Klopfmassagen erlernen, die dazu beitragen, Sekrete aus der Lunge zu entfernen.

 


Ohr

B) Mund und Zähne

Die Lippen bei Patienten mit M. Hunter sind verdickt, auch die Zunge kann vergrößert sein. Die kleinen Zähne stehen weit auseinander.

Der Zahnschmelz bei Kindern mit MPS Typ II ist weniger widerstandsfähig. So kann es sehr schnell zu Kariesbefall der Zähne kommen. Es ist daher sehr wichtig, die Zähne regelmäßig gründlich zu pflegen. Man sollte Zähne und das empfindliche Zahnfleisch mit einer weichen Zahnbürste vorsichtig putzen. Fluortabletten können die Struktur der Zähne verbessern.

Wenn bekannt ist, dass Ihr Kind an Herzproblemen leidet oder Herzklappenveränderungen hat, sollten Sie bei einem Zahnarztbesuch besonders vorsichtig sein. Bakterien, die sich im Mundraum befinden, können durch die Zahnbehandlung in die Blutbahn gelangen. Gerne lagern sie sich dann am vorgeschädigten Herzen ab. Es kommt zu einer Entzündung der Herzklappen und sie werden noch weiter zerstört.

Um diese Komplikationen zu vermeiden, verabreicht man Patienten mit vorgeschädigtem Herzen im Rahmen einer Zahnbehandlung vorbeugend Antibiotika (Endokarditisprophylaxe).

Wenn Zähne unter Narkose gezogen werden müssen, dann sollte das vor allem bei Kindern mit schwerer Verlaufsform immer nur im Krankenhaus unter der Aufsicht eines erfahrenen Narkosearztes geschehen!

Bei der Empfehlung von den festen Zahnspangen sollte zunächst Rücksprache mit dem Stoffwechselzentrum genommen werden. Zum einen sind die Zähne bei MPS Patienten anfälliger für Karies, zum anderen sollte eine feste Zahnspange aus einem Material bestehen, dass eine Kernspinuntersuchung des Kopf-Halsbereiches nicht behindert.


C) Augen

Bei Patienten mit M. Hunter kommt es nicht zu einer Trübung der Hornhaut, wie bei den anderen Mukopolysaccharidosen. Es werden aber andere Augenveränderungen beobachtet.

Zum Beispiel können Schäden an der Netzhaut zu Sehveränderungen führen.

Durch Ablagerung von Speichermaterial in der Sehnervenscheide kann es zu einer Einengung und somit zu einem Druckschaden der Sehnerven kommen (Optikusatrophie). In Spezialzentren kann eine entlastende Operation stattfinden, die den Sehnerv wieder freilegt und ihm Platz schafft.

Wichtig ist, die Sehfähigkeit und bei Verdacht auch die Sehnerven mittels Ultraschalluntersuchung oder Kernspinuntersuchung regelmäßig zu untersuchen. Auch ein erhöhter Augeninnendruck kommt relativ häufig vor und führt eventuell zu einer Verschlechterung der Sehfähigkeit. Es ist sehr wichtig, dies regelmäßig bei einem Augenarzt kontrollieren zu lassen, damit bei Bedarf frühzeitig operiert werden kann.

D) Herz

Auch das Herz ist von der Speicherung der Mukopolysaccharide betroffen. In den ersten Lebensjahren macht das meist keine größeren Probleme. Nach und nach lagert sich aber immer mehr Speichersubstanz ab. Wenn sich Ablagerungen auf den Herzklappen bilden, kann es dazu kommen, dass die betroffene Klappe nicht mehr richtig schließt (Insuffizienz). Oder aber die Herzklappenöffnung verengt sich und das Blut muss durch eine verkleinerte Öffnung strömen (Stenose). Durch die veränderten Flussverhältnisse kommt es zu Geräuschen des Blutstroms, die der Arzt beim Abhören als Herzgeräusch erkennt.

Speichermaterial lagert sich auch im ganzen Herzmuskel ab: Der Herzbeutel wird dicker und träger und pumpt immer schwerer (Kardiomyopathie). Es kann zu Schmerzen in der Brust kommen, wenn das Herz nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt wird. Andere Kennzeichen sind Blässe, plötzliche Schweißausbrüche auch in Ruhe und ein hoher Blutdruck.

Es ist relativ einfach, die Herzbeteiligung zu erfassen. In regelmäßigen Abständen sollte bei Patienten mit MPS Typ II eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durchgeführt werden (Echokardiographie). Außerdem sollte regelmäßig ein EKG gemacht werden.

Meistens bleiben die Veränderungen am Herzen jahrelang ohne wesentliche Folgen.Wenn die Herzklappen stark zerstört sind, kann man sie durch künstliche Herzklappen ersetzen.

E) Leber und Milz

Bei Kindern mit MPS Typ II sind Leber und Milz durch die Ablagerung von Speichersubstanzen meist stark vergrößert (Hepatosplenomegalie). Normalerweise verursacht die Organvergrößerung aber keine schwer wiegenden Probleme.

F) Bauch, Nabel- und Leistenbrüche
Durch die schlaffe Bauchdecke kommt es zu einer starken Vorwölbung des Bauches. Die typische Haltung eines Kindes mit MPS Typ II verstärken diesen Eindruck noch.

Die schlaffe Bauchwand führt noch zu weiteren Schwierigkeiten: An besonders schwachen Stellen der Bauchdecke können Teile des Bauchinhalts hervortreten. Das bezeichnet man als »Bruch«, die Ärzte nennen es »Hernie«. Am häufigsten kommt es zu Leisten- und Nabelbrüchen.

Leistenbrüche müssen in der Kindheit immer operiert werden, da die Gefahr besteht, dass sich Darmanteile im Bruchkanal einklemmen. Das verursacht große Schmerzen und kann den Darm auch verletzen. Bei Erwachsenen operiert man einen Leistenbruch nur, wenn der Bruch Beschwerden macht oder es bereits zu einer Einklemmung gekommen ist. Nabelbrüche werden meistens nicht behandelt, es sei denn sie sind sehr groß und werden als störend empfunden.

G) Verdauungsprobleme

Viele Kinder mit MPS Typ II leiden unter häufigen Durchfällen. Es ist bis heute nicht geklärt, woher diese Durchfälle eigentlich kommen. Es wird vermutet, dass ein Defekt des vegetativen Nervensystems dafür verantwortlich ist, also eine Störung im Bereich des Nervensystems, der ohne unseren Willen geregelt wird.

Die Eltern können selbst am besten einschätzen, ob es bestimmte Wege gibt, die Durchfälle zu lindern. Einige berichten davon, dass pürierte Kost oder Jogurtzufütterung helfen können. Manche Eltern stellen die Ernährung ihrer Kinder völlig um. Es ist allerdings wichtig zu wissen, dass diese Durchfälle zwar unangenehm sind, aber den Gesundheitszustand Ihres Kindes nicht wesentlich beeinträchtigen. Nur ganz selten brauchen die Kinder medikamentöse Hilfe. Sie sollten Medikamente aber nur mit Zustimmung Ihres Kinderarztes geben.

Wenn die Kinder älter werden und sich weniger bewegen, kann es auch zu Verstopfungen kommen. Auch hier ist eine Nahrungsumstellung oft hilfreich. Es gilt die gleiche Regel: Medikamente gegen Verstopfung sollten nur mit Zustimmung des Kinderarztes gegeben werden.

Ernährung
Eigentlich kann Ihr Kind alles essen, worauf es Lust hat. Eine vorsichtige Nahrungsumstellung kann aber bei starken Stuhlunregelmäßigkeiten hilfreich sein.

Bei vielen Kindern mit M. Hunter gibt es zu Beginn keine Schwierigkeiten mit dem Essen. Nur manche Kinder haben von Anfang an Probleme, die Nahrung gut zu kauen und zu schlucken. Die Eltern können dann versuchen, dem Kind weiche oder pürierte Nahrung in kleinen Häppchen anzubieten. Achten Sie immer auf ausgewogene Ernährung.

Für das Kind ist es wichtig, am gemeinsamen Essen mit der Familie teilzunehmen. Die Eltern sollten sich beim Füttern möglichst viel Zeit nehmen. Ruhige Musik während des Essens oder Fernsehen im Hintergrund kann Ihr Kind beruhigen und das Schlucken erleichtern.

Es kommt immer wieder vor, dass sich Ihr Kind verschluckt.

Verschlucken
Was müssen Sie tun, wenn sich ihr Kind so sehr verschluckt, dass es keine Luft mehr bekommt?

Legen Sie Ihr Kind mit dem Kopf nach unten über Ihre Knie oder über einen Sessel. Klopfen Sie dann sanft mehrere Male zwischen die Schulterblätter, bis das Nahrungsstück wieder herauskommt. Am besten lassen Sie sich von Ihrem Kinderarzt diesen Vorgang einmal genau zeigen.

Wenn Ihr Kind sich verschluckt hat und einige Tage später Fieber bekommt, dann suchen Sie bitte einen Arzt auf. Hin und wieder bleiben kleinere Speisereste in den Atemwegen stecken und können zu einem fieberhaften Infekt führen. Der Arzt muss mit entsprechenden Maßnahmen die Nahrung wieder entfernen.

Erbrechen
Kinder mit MPS Typ II neigen häufig zu Erbrechen. Das hat meistens harmlose Gründe: Manchmal haben sie einfach sehr viel Schleim oder Luft geschluckt. Viele Kinder merken auch nicht, wenn sie zu viel essen.

H) Skelettsystem
Ein Röntgenarzt kann schon anhand eines Röntgenbildes den Verdacht auf eine Speicherkrankheit stellen, weil bei Mukopolysaccharidosen das  Skelettsystem einige spezielle Merkmale hat. Man nennt diese Merkmale »Dysostosis multiplex«.

Zu diesen Veränderungen gehört eine Missbildung des Hüftgelenks: Die Patienten leiden an einer Hüftgelenksluxation, das heißt, die Hüftgelenke sind mehr oder weniger stark ausgerenkt. Eine Behandlung ist allerdings fast nie notwendig. Sollte es zu besonders starken Schmerzen oder Einschränkungen der Beweglichkeit kommen, sollten Sie einen erfahrenen Orthopäden um Rat fragen.

Grundsätzlich wird Patienten mit Störungen im Skelettsystem Krankengymnastik angeraten. Es gibt viele Arten von Krankengymnastik, die Schmerzen vorbeugen oder lindern und auch die Versteifung der Gelenke hinauszögern können.Wichtig ist, niemals Übungen durchzuführen, die Schmerzen verursachen. Fragen Sie dazu Ihren Kinderarzt und den Physiotherapeuten.

I) Gelenke
Die Hände der Patienten mit MPS Typ II können eine ganz charakteristische Formhaben: Sie wirken plump und die Finger sind gekrümmt.Manche Kinder können auchmit Anstrengung ihre Finger nicht gerade ausstrecken. Man bezeichnet diese Krümmung der Gelenke als Kontrakturen. Auch die verdickte Haut der Kinder fällt besonders an den Händen auf. Ein Problem besteht darin, dass durch die Krümmung der Gelenke die Beweglichkeit der Hände stark eingeschränkt sein kann.

Die Füße zeigen ähnliche Veränderungen wie die Hände. Sie sind breit und wirken plump. Auch die Zehen sind versteift und gekrümmt. Auch alle anderen Gelenke des Körpers können solche Kontrakturen zeigen und die Kinder damit in ihrer Beweglichkeit einschränken. Gerade die Krümmungen im Schulter- und Ellenbogengelenk können schon das An- und Ausziehen für die Kinder beschwerlich machen.

Viele Kinder haben beim Stehen und Gehen gebeugte Knie und Hüften. Das bewirkt zusammen mit einer verkürzten Achillessehne, dass die Kinder häufig auf Zehenspitzen gehen.

Man muss wissen, dass die Fehlbelastung der steifen, unbeweglichen Gelenke Schmerzen verursachen kann. Viele Kinder berichten, dass Krankengymnastik und Massage diese Schmerzen lindert. Manchmal hilft auch ein einfaches Schmerzmittel.

Kleidung und Schuhe
Es kann schwierig werden, für Ihr Kind passende Kleidung und Schuhe zu finden.Wichtig ist es, Schuhe zu finden, die den Patienten Halt geben, bequem und breit genug sind. Achten Sie darauf, dass sich Ihr Kind möglichst selbständig an- und ausziehen kann. Beispielsweise empfiehlt es sich, ihm Jacken anzuziehen statt Pullover, die es nicht über den Kopf bekommt.

J) Gehirn und Wirbelsäule
Die Knochen der Wirbelsäule nennt man Wirbelkörper. Bei Patienten mit MPS II sind die Wirbelkörper in typischer Weise geformt. Besonders die Wirbelkörper der Brust- und oberen Lendenwirbel zeigen die typische Angelhakenform. Dadurch kann ein Buckel entstehen (Gibbus), der manchmal eines der ersten Anzeichen für eine Stoffwechselkrankheit ist. Manchmal kommt es durch die Deformierungen der Knochen zu Schmerzen im Hals- und Nackenbereich.

Bei Patienten mit MPS Typ II entwickelt sich in seltenen Fällen ein Stau von Flüssigkeit im Gehirn (Hydrozephalus). Normalerweise wird die Flüssigkeit regelmäßig durch den Rückenmarkskanal weitergeleitet.Wenn hier eine Störung vorliegt, kann ein dünnes Rohrsystem angelegt werden (ein so genanntes Shuntsystem), um die Flüssigkeit vom Gehirn abzuleiten.

Bei MPS Typ II kann es noch zu einer weiteren Komplikation kommen: Das Rückenmark und das Gehirn sind von schützendem Bindegewebe umgeben. Gerade im Halswirbelsäulenbereich lagert sich Speichersubstanz in diesem Bindegewebe ein. Dadurch kann es so dick werden, dass das Rückenmark und Teile des Gehirns eingeengt und durch den Druck geschädigt werden. Um die Zerstörung der Nerven zu vermeiden, kann dieWirbelsäule operiert werden. Es wird dann verdicktes Bindegewebe entnommen und so wieder Platz für das Rückenmark und andere Strukturen geschaffen.

Es ist wichtig, die Einengung des Rückenmarkkanals schon frühzeitig zu entdecken, bevor es zu schweren Nervenschädigungen kommt. Regelmäßige Kernspinaufnahmen und auch eine elektrophysiologische Untersuchung geben Aufschluss darüber, ob die Gefahr der Einengung und Schädigung besteht.

K) Karpaltunnelsyndrom
Ein häufiges Krankheitsbild bei MPS Typ II ist das Karpaltunnelsyndrom. Die Patienten klagen darüber, dass ihre Hand einschläft. Nachts wachen sie mit Schmerzen, Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Fingern (Daumen bis Mittelfinger) auf. Diese Symptome entstehen durch den Druck auf einen Nerv, der über das Handgelenk im so genannten Karpaltunnel bis in die einzelnen Finger verläuft. Dieser Nerv ist von Sehnen und Bandstrukturen umgeben, in die auch Speichersubstanz eingelagert wird. Mit der Zeit werden diese Gewebe so dick, dass sie direkt auf den Nerv drücken und Beschwerden verursachen, oft sogar in beiden Händen.

Meistens führt eine klinische Untersuchung, gestützt von einer Messung der Nervenleitgeschwindigkeit schnell zur Diagnose. In einem kleinen chirurgischen Eingriff kann man den Nerv von den verdickten umgebenden Strukturen lösen und die Beschwerden beheben.

L) Haut
Durch die Einlagerung der Speichersubstanzen wird die Haut der Patienten mit MPS Typ II dicker, fester und wenig elastisch. Bei manchen Kindern mit besonders dicker Haut können Blutentnahmen für den Arzt schwierig sein. Normalerweise aber kommt es sonst zu keinen Problemen.

Ganz typisch für M. Hunter ist eine besondere Hautveränderung, die als »Peau d’orange«, also Orangenhaut, bezeichnet wird. An den Schultern und den Außenseiten der Oberarme findet man abgeblasste, knötchenförmige Hautveränderungen, die gruppenförmig angeordnet sind. Diese Hautveränderungen treten im Kleinkindalter auf und können später auch wieder verschwinden.

Hände und Füsse
Die Fähigkeit, ihre Körpertemperatur zu regeln, kann bei Kindern mit Mukopolysaccharidose gestört sein. Die Ursache ist eine zentralnervöse Regulationsstörung (eine Störung im Bereich des Nervensystems, der ohne
unserenWillen geregelt wird).

So kann bei vielen Kindern beobachtet werden, dass die Hände und Füße abwechselnd eiskalt oder auch heiß und schweißig werden. Manche Kinder müssen besonders warm gehalten werden, andere vertragen nicht allzuviel Hitze.

Es kommt zu einer Fehlregulation der Blutgefäße in Händen und Füßen: Die Blutgefäße verkrampfen sich und es fließt weniger Blut als normal. Die Eltern können beobachten, wie Hände und Füße blass oder blau werden. Sie können Ihrem Kind dann warme Strümpfe oder Handschuhe anziehen. Sie müssen sich aber keine Sorgen machen, dass es durch diese Regulationsstörungen zu größeren Problemen kommt; das ist in der Regel nicht der Fall.

M) Schmerzen
Es gibt viele Möglichkeiten, warum Ihr Kind Schmerzen haben kann. Da gibt es beispielsweise Mittelohrentzündungen, Zahnschmerzen, Gelenkschmerzen, Kopf- oder Bauchweh.Wenn die Kinder sich nicht ausdrücken können, dann werden sie bei Schmerzen unruhig oder schreien. Meistens kennen die Eltern ihre Kinder aber so gut, dass sie schnell herausfinden, was das Problem ist.

Manchmal haben die Kinder auch Schreianfälle, deren Ursache nicht in körperlichen Problemen, sondern einfach im besonderen Verhalten der Kinder liegt.Wenn Sie aber unsicher sind oder sich sorgen, zögern Sie nicht, Ihren Kinderarzt nach der Ursache oder nach Therapiemöglichkeiten zu fragen.

 

Autoren:
Dr. Elke Miebach (Uniklinik Mainz)
Bettina Wildi (Gesellschaft für MPS e.V.)

Für den Bereich Physiotherapie:

Christine Wurlitzer (ehem. Kinderrehazentrum Usedom)
Dr. Bianca Link (Kinderspital Zürich)


Update
2006 Gudrun Schulze-Frenking
2009 Dr. Elke Miebach
2011 Dr. Christina Lampe

Wiss. Berater:
Prof. Dr. Michael Beck
Prof. Dr. Kurt Ullrich

letztes Update: 2011


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