Physiotherapie

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Die Seiten zur Physiotherapie verstehen sich zum einen als Hilfe für Familien und Patienten, die bzw. deren Angehörige an Mukopolysaccharidose (MPS) erkrankt sind, zum anderen aber auch als Leitfaden für Physiotherapeuten, die MPS-Patienten behandeln.
Obwohl die Krankheitsbilder vielfältig und jeder Mensch individuell ist, möchten wir einen Überblick über mögliche physiotherapeutische Maßnahmen verschaffen.
Es gibt eine Vielzahl an physiotherapeutischen Behandlungsmethoden. Die unserer Meinung nach geeigneten Therapien haben wir zusammengestellt und anhand der jeweils krankheitstypischen Veränderungen am Bewegungsapparat erläutert.*)

Therapeuten mit speziellen Ausbildungen und vielen Erfahrungen werden vielleicht mit Techniken arbeiten, die Sie in unserem Buch nicht oder nur angerissen wieder finden. Zum Beispiel berichteten Eltern, von Behandlungen mit Osteopathie, Vojta oder speziellen Reflexzonentherapien. In diesen Fällen lassen Sie sich vom Therapeuten informieren, welche Behandlungsziele er verfolgt und sprechen gegebenenfalls gemeinsam mit Ihrem Arzt und Therapeuten die Behandlungsmethode ab.

Physiotherapie ist ein wesentlicher Bestandteil des Therapiekonzeptes, welches individuell für jeden MPS-Patienten entworfen werden sollte. Besonders wichtig ist, die Physiotherapie nicht nur als wöchentlich zu absolvierendes Programm anzusehen, sondern als Anregung und Anleitung zum selbstständigen Üben bzw. Üben mit Hilfe der Angehörigen. Zudem stellt sie eine regelmäßige Kontrollinstanz der Balance des Bewegungsapparates und der Richtigkeit der eigenständig durchgeführten Übungen dar.
Auch vor und nach Operationen ist die Physiotherapie unverzichtbar und wesentlich für deren Erfolg (mit)verantwortlich.

Zur Intensivierung des Physiotherapieprogramms sind Kur- und Rehabilitationsaufenthalte oder auch intensive stationäre Therapieeinheiten in spezialisierten orthopädischen Kliniken sehr empfehlenswert. Dies gilt vor allem bei besonderen Problemen, nach Operationen und zum Erlernen neuer Übungen und Maßnahmen.

Durch das Zusammenspiel verschiedener Therapien versucht man, die körperlichen Defizite einzugrenzen. Im Folgenden werden wir auf die Besonderheiten der einzelnen MPS Typen eingehen und deren Therapiemöglichkeiten sowie auch Therapiegrenzen aufzeigen.
Es ist sinnvoll und notwendig, entsprechend den Bewegungseinschränkungen und Beschwerden des Patienten, einen Therapieplan zusammenzustellen und diesen bei Veränderungen der körperlichen Konstitution zu überarbeiten.
Physiotherapeutische Maßnahmen setzen sich aus passiven und aktiven Techniken zusammen. Diese werden nach individuellem Leistungsniveau, Alter, Schwere der Erkrankung, usw. patientenbezogen kombiniert.

Grundsätzlich gilt für alle MPS-Typen, dass es kaum möglich ist, in der zur Verfügung stehenden Therapiezeit auf alle Veränderungen des Bewegungsapparates einzugehen. Die Therapie sollte daher nach folgenden Gesichtspunkten zusammengestellt werden:

  • Einschränkungen im Alltag
  • Belastbarkeit
  • Schmerzempfinden und Ausweichbewegungen
  • Auswirkungen auf andere Strukturen und Gelenke
  • zunehmende Bewegungseinschränkungen

Therapieziele und -schwerpunkte sollten immer wieder überdacht werden, um frustrane, d.h. ergebnislose Dauertherapien zu vermeiden. Die größten Fortschritte werden erzielt, wenn man sich jeweils für einige Monate auf ein spezielles Problem des Bewegungsapparates konzentriert.

Mit zunehmendem Alter verstärken sich häufig auch die Beschwerden der Patienten. Dann nehmen passive Therapieformen und Schmerzbehandlungen immer mehr Raum in der Therapie ein. Neben den Mobilisationstechniken kommen die Manuelle Therapie, die Elektrotherapie, ggf. die Schlingentischtherapie, die Lymphdrainage und auch verschiedene Massagetechniken zum Einsatz.

Um die, entsprechend den individuellen Voraussetzungen, bestmögliche Lebensqualität zu erreichen, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Arzt, Therapeuten und Eltern bzw. Angehörigen notwendig. Nur so sind schnelle Reaktionen auf Veränderungen des Krankheitsbilds möglich und sinnvolle Therapien können durchgeführt werden.

Die MPS-Gesellschaft hält für Sie außerdem eine Broschüre mit den wichtigsten Informationen über Physiotherapie bei Patienten mit Mukopolysaccharidose und Mukolipidosen sowie praktischen Beispielen bereit.

 

*) Bitte beachten Sie, dass die symptomatischen Beschreibungen der MPS – Typen in den Kapiteln zur Physiotherapie sehr eingeschränkt und rein auf die physiotherapeutischen Maßnahmen bezogen sind.

 

Physiotherapie und Ergotherapie bei MPS und ML

Umfang: 80 Seiten

Autoren:
Christine Wurlitzer (ehemals Kinderrehazentrum Usedom)
Dr. Bianca Link (Kinderspital Zürich)
Anja Brand (Hofheim) 

Letztes Update: 2012


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