Überblick

Mukopolysaccharidosen, Mukolipidosen und Mannosidosen sind seltene Stoffwechselerkrankungen.
Die Betroffenen können aufgrund von Genmutationen bestimmte Enzyme nicht bilden.
Deswegen sind Abbauprozesse im Körper gestört. Davon sind nahezu alle Organe und Funktionen
betroffen. Die Erkrankungen variieren aber stark in ihrer Verlaufsform von relativ mild bis sehr
schwer.

Mukopolysaccharidosen

Der Begriff leitet sich ab von der früheren Bezeichnung für langkettige Zuckermoleküle – Mukopolysaccharide. Heutzutage nennt man diese Moleküle Glykosaminoglykane (GAG). Die GAG lagern sich im Krankheitsverlauf immer weiter in den Organen und Geweben des Körpers ab. Dort führen sie zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Schädigung. Alle Organe können davon betroffen sein wie beispielsweise die Lunge, das Herz, das Nervensystem, das Auge, das HNO-System oder das Skelett. Man spricht deshalb auch von einer Multisystemerkrankung. Bei den Mukopolysaccharidosen (MPS) lassen sich derzeit im Wesentlichen sieben Typen unterscheiden, die mit römischen Ziffern bezeichnet oder nach ihrem Entdecker benannt werden. Bei jeder dieser MPS ist ein anderes Verdauungsenzym nicht vollständig oder gar nicht funktionsfähig. Am häufigsten tritt MPS III auf. Hier ist ein Kind bei etwa 65.000 Geburten betroffen, gefolgt von MPS II mit einem Kind pro 145.000 Geburten. Die seltenste der Mukopolysaccharidosen in Deutschland ist MPS VII. Lediglich eines von 500.000 Kindern kommt mit dieser Erkrankung zur Welt. In der Literatur sind bislang weltweit nur vier Patienten mit MPS IX beschrieben. Insgesamt liegt das Risiko, mit einer Mukopolysaccharidose geboren zu werden, allerdings bei 1:29.000 – und ist damit gar nicht so niedrig. MPS zeigen eine ganze Reihe von Gemeinsamkeiten, aber auch erhebliche Unterschiede. Abhängig von den nicht abbaubaren und gespeicherten Substanzen kann die geistige Entwicklung bei manchen Mukopolysaccharidose-Typen betroffen sein, bei anderen dagegen nicht, wie etwa MPS IV und VI. In Bezug auf die körperlichen Symptome ähneln sich MPS I, II, VI und VII und sind zunächst vom Erscheinungsbild her schwer zu unterscheiden. Bei Patienten mit einer MPS III steht eine geistige Beeinträchtigung im Vordergrund, bei Patienten mit MPS IV dominieren Symptome im Bereich des Skelettsystems.

Mukopolysaccharidosen

Mukolipidosen

Bei den Mukolipidosen (ML) ist das ausschlaggebende Problem, dass das Enzym, das zum Abbau bestimmter Moleküle benötigt wird, nicht zum Lysosom gelangt. Genauer gesagt, wird ein Enzym benötigt damit ein anderes Enzym zum Lysosom transportiert werden kann. Das Transportenzym kann bei den ML aufgrund eines Gendefekts nicht gebildet werden. In Folge dessen können Eiweiß- und Zuckerverbindungen (Glykoproteine und Oligosaccharide) nicht aufgespalten und entsorgt oder weiterverwertet werden und lagern sich in den Zellen ab. Man unterscheidet die Typen I bis IV, wobei die Patienten sehr unterschiedlich stark betroffen sein können. Die Symptome der Krankheit sind teilweise schon bei der Geburt, manchmal aber auch erst später sichtbar. Sie gleichen oftmals denen der MPS, sind aber in der Regel früher zu beobachten. Häufi ge Merkmale sind Knochenveränderungen an Kopf, Wirbelkörper und Hüfte, Minderwuchs, eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit, wiederkehrende Infekte der Atemwege und Leistenbrüche.

Alpha-Mannosidose

Die Alpha-Mannosidose beruht auf einem Gendefekt, der zu einem Mangel des Enzyms Alpha-Mannosidase führt. Die Alpha-Mannosidase ist für den Abbau von Mannose-reichen Oligosacchariden zuständig. Oligosaccharide sind Zuckerketten, die aus mehreren gleichen oder verschiedenen Einfachzuckern bestehen. Durch den Enzymmangel können bestimmte Oligosaccharide, nämlich diejenigen, die den Einfachzucker Mannose (kommt von „Manna“, dem biblischen Himmelsbrot) enthalten, nicht vollständig abgebaut und weiterverwendet werden. Sie lagern sich stattdessen in den Organen und Geweben des Körpers ab und führen dort zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Schädigung. Viele Organe können davon betroffen sein, vor allem das Gehirn, das Gehör, das Skelettsystem
und die Augen.